Kunst und Trödel

 


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Alt 20.10.2011, 19:37   #1
Winfried
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Standard Restaurierung Siegburger Trichterhalsbecher

Hallo Freunde,

heute möchte ich Euch meine Restaurierung zweier Trichterhalsbecher aus Siegburg zeigen.

Über mein Unterfangen kann man geteilter Meinung sein.
Einige von Euch würden wahrscheinlich die Scherbe als Original so aufbewahren, wie sie ist, eben authentisch, wissenschaftlich zugänglich und zerbrochen (beim Brand oder später).

Wissenschaftlich sind diese Becher (Krüge) längst bearbeitet, der Herstellungsort bekannt, die Zeitstellung fraglos.

(Siegburg, eiförmiger Körper, Fuß und Trichterhals durch Profilierungen abgesetzt, die Wandung im oberen Bereich durch Rillen unterteilt. Darüber Kerbschnitt, darunter Kanneluren, um 1600).

Andere würden sich am unvollkommenen Rest des Gefäßes reiben, die Scherbe ruft nach Ergänz-ung, ihre wunderschöne, vollkommene Form soll wieder erstrahlen.

Und so geht es auch mir. Ich leide beim Anblick des „zerbrochenen Kruges“ Und da ich ja an der Scherbe nichts zerstöre, sondern nur Fehlteile ergänze, habe ich auch kein schlechtes Gewissen bei meinem Tun. Mit geeigneten Mitteln lässt sich ja alles wieder rückgängig machen und entfernen. Außerdem, und hier ist bei mir auch ein wenig Eitelkeit im Spiel, freue ich mich diebisch, wenn der Betrachter fragt: „Ja wo war denn hier etwas kaputt? Da ist doch gar nichts“

Die Ersten Bilder zeigen die beiden Fragmente, die ich von einem Freund in Holland erwerben konnte. Bei dem einen Becher war der Fuß halb weggebrochen, der Trichter war nicht mehr vorhanden. Der zweite Becher teilte fast das gleiche Schicksal, nur hier waren der Fuß und Trichter komplett weggebrochen. Nur die beiden fein gearbeiteten Bäuche lagen völlig unbeschädigt vor mir.
Es galt nun die Fehlteile zu ergänzen.

Für diese Arbeit benutze ich Zweiphasenspachtel, wie er im Automobilbereich allenthalben benutzt wird und in jedem Baumarkt zu kaufen ist.
Diese Spachtelmasse ist anfänglich weich und härtet nach 2%iger Zugabe des Härters in 5 bis 7 Minuten aus. (Gibt man etwas weniger Härter hinzu oder ist die Verarbeitungstemperatur etwas geringer dauert die Aushärtungszeit auch etwas länger) Ausgehärtet lässt sich die Masse leicht bearbeiten. Schmirgeln, schleifen, schnitzen (wenn noch nicht ganz hart), bohren und beschaben, kein Problem.
Später lässt sich die Masse hervorragend bemalen und firnissen. Sie ist nach kompletter Aushärtung steinhart und besitzt hervorragende Haftung an dem Steinzeugscherben.

Zum Bemalen nutze ich Acrylfarben, mit glänzender oder auch matter Trockenoberfläche. Bei der Auswahl der Acrylfarbe lohnt sich die Anschaffung der teureren Qualitäten (Schmincke), da ich feststellen musste, dass Billigfarben beim Trocknen dunkler wurden. Und das ist ätzend: Man malt, kleinste Farbstiche werden ausgeglichen und dann ist im trockenen Zustand die bemalte Fehlstelle plötzlich erheblich dunkler als die Originalfarbe der Umgebung. Außerdem rate ich beim Malen zu Tageslicht mit ca. 6000 Kelvin, hier lassen sich Farbstiche besser beurteilen. Solltet Ihr bei solchen Malereien Schwierigkeiten beim Beurteilen der Farbstiche haben, fragt Eure Frauen. Frauen haben bei der Beurteilung von farblichen Abweichungen die besseren Augen. (Wissenschaftlich erwiesen)

Zuerst habe ich mich des halben Fußes des einen Bechers angenommen. Hier bot sich mir die Möglichkeit den halben Fuß komplett abzuformen, ein Duplikat des halben Fußes aus Spachtelmasse herzustellen, dieses zu beschnitzen und dann mit gleicher Spachtelmasse in die Fehlstelle einzusetzen.

Zum Abformen benutze ich „Formaform“ eine „Abformmasse für Einsteiger“. Diese ist im Web bei bei vielen Firmen erhältlich. Die Masse hat große Vorteile.
Im Gegensatz zu Silikon ist Formaform wiederverwendbar. Die flexibel ausgehärtete gummiartige Masse stecke ich in die Mikrowelle und nach wenigen Minuten ist sie flüssig und kann gegossen werden. Ist sie nach Jahren doch etwas hart geworden, gebe ich etwas Wasser beim Erhitzen in der Mikrowelle hinzu, rühre das Wasser unter, und schon ist die Masse wieder hochflexibel.

Nach ein wenig Schnitzerei und Schleiferei passte der halbe Fuß und ich klebte ihn ein. Dann erfolgte die Feinbearbeitung mit Uhrmacher-Feilen, Kratzwerkzeugen und einem Proxxon Handstück. Proxxon erweist sich hierbei als hervorragend brauchbar, der Rundlauf ist gewährleistet und das Handstück liegt gut in der Arbeitshand. Dremelgeräte haben mich sehr enttäuscht. Der Rundlauf war bei meinen Dremels eine Katastrophe, die Fräswerkzeuge, Schleifsteine oder Polierfilze hatten keinen Rundlauf, sondern schlugen wie die Lämmerschwänze, teils im Kreisbogen mit 1mm Spiel.
Für solchen „Piddelskram“ völlig unbrauchbar.

Beim Bearbeiten der Übergangsstellen vom Originalmaterial zum Spachtel ist große Vorsicht geboten. Schmirgelpapier, diamantbeschichtete Werkzeuge und harte Feilen beschädigen ganz leicht die Originalscherbe, glasierte Stellen werden dabei stumpf und das wäre doch schade.

Nun war der Fuß fertig und der Trichter kam dran. Hierzu hatte ich einen geeigneten, unbeschädigten Trichterhalsbecher meiner Sammlung entnommen und, wie schon zuvor den halben Fuß, hier den ganzen Trichter durch Eintauchen in die flüssige Abformmasse von außen abgeformt.

Die erkaltete Form wurde mit Spachtelmasse gefüllt und diese nach dem Aushärten entnommen. Die Trichteröffnung wurde mit Fräsen erweitert, die Trichterwandung von innen mit Schmirgelpapier auf die erforderliche Dicke reduziert. Der Trichter wurde an die Originalscherbe angepasst und mit Spachtelmasse angesetzt.

Das wesentliche Moment bei einer solchen Arbeit ist ein sicheres Gespür für die Form des Ganzen.
Ist der Trichter nicht zu hoch, kragt er nicht zu weit aus, ist die Form des Trichters der Zeitstellung des Gefäßes adäquat? Ist vom Scherben noch so viel vorhanden, dass die Gesamtform rekonstruiert werden kann, ist die Restaurierung einfach. Aber sollen Teile ersetzt werden, die gänzlich fehlen, wird es schon erheblich schwieriger. Und so sind heute viele Trichterhalsbecher und -krüge in den Museen und im Handel zu bestaunen, deren Trichter und/oder Füße völlig fehlten, und die dann ganz furchtbar unförmig restauriert wurden.

Hier möchte ich nun schließen, werde aber gerne Fragen beantworten, so Ihr welche habt.

Gruß - Winfried
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Alt 20.10.2011, 21:50   #2
Dreiwirbel
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Standard Erstklassige Ausführungen.....

das zum Thema Restauration eines Siegburger Trichterhalsbechers.
Was Winfried hier zur Restauration Siegburger Keramik schreibt,lässt sich natürlich auch auf auf römische Terra Sigilata oder latenezeitliche Graphitonkeramik übertragen.So lassen sich schon Totgesagte wiederbeleben und zu anschaulichen Vitrinenobjekten machen.Bei dunkler Keramik sollte man die Spachtelmasse einfärben?Oder bibt es auch dunkle Polyesterspachtel?
__________________
In Hessen ist der Dativ dem Genitiv sein Tod
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Alt 20.10.2011, 21:55   #3
lasolaire
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Hallo Freunde,

heute möchte ich Euch meine Restaurierung zweier Trichterhalsbecher aus Siegburg zeigen.

Über mein Unterfangen kann man geteilter Meinung sein.
Einige von Euch würden wahrscheinlich die Scherbe als Original so aufbewahren, wie sie ist, eben authentisch, wissenschaftlich zugänglich und zerbrochen (beim Brand oder später).

Wissenschaftlich sind diese Becher (Krüge) längst bearbeitet, der Herstellungsort bekannt, die Zeitstellung fraglos.

(Siegburg, eiförmiger Körper, Fuß und Trichterhals durch Profilierungen abgesetzt, die Wandung im oberen Bereich durch Rillen unterteilt. Darüber Kerbschnitt, darunter Kanneluren, um 1600).

Andere würden sich am unvollkommenen Rest des Gefäßes reiben, die Scherbe ruft nach Ergänz-ung, ihre wunderschöne, vollkommene Form soll wieder erstrahlen.

Und so geht es auch mir. Ich leide beim Anblick des „zerbrochenen Kruges“ Und da ich ja an der Scherbe nichts zerstöre, sondern nur Fehlteile ergänze, habe ich auch kein schlechtes Gewissen bei meinem Tun. Mit geeigneten Mitteln lässt sich ja alles wieder rückgängig machen und entfernen. Außerdem, und hier ist bei mir auch ein wenig Eitelkeit im Spiel, freue ich mich diebisch, wenn der Betrachter fragt: „Ja wo war denn hier etwas kaputt? Da ist doch gar nichts“

Die Ersten Bilder zeigen die beiden Fragmente, die ich von einem Freund in Holland erwerben konnte. Bei dem einen Becher war der Fuß halb weggebrochen, der Trichter war nicht mehr vorhanden. Der zweite Becher teilte fast das gleiche Schicksal, nur hier waren der Fuß und Trichter komplett weggebrochen. Nur die beiden fein gearbeiteten Bäuche lagen völlig unbeschädigt vor mir.
Es galt nun die Fehlteile zu ergänzen.

Für diese Arbeit benutze ich Zweiphasenspachtel, wie er im Automobilbereich allenthalben benutzt wird und in jedem Baumarkt zu kaufen ist.
Diese Spachtelmasse ist anfänglich weich und härtet nach 2%iger Zugabe des Härters in 5 bis 7 Minuten aus. (Gibt man etwas weniger Härter hinzu oder ist die Verarbeitungstemperatur etwas geringer dauert die Aushärtungszeit auch etwas länger) Ausgehärtet lässt sich die Masse leicht bearbeiten. Schmirgeln, schleifen, schnitzen (wenn noch nicht ganz hart), bohren und beschaben, kein Problem.
Später lässt sich die Masse hervorragend bemalen und firnissen. Sie ist nach kompletter Aushärtung steinhart und besitzt hervorragende Haftung an dem Steinzeugscherben.

Zum Bemalen nutze ich Acrylfarben, mit glänzender oder auch matter Trockenoberfläche. Bei der Auswahl der Acrylfarbe lohnt sich die Anschaffung der teureren Qualitäten (Schmincke), da ich feststellen musste, dass Billigfarben beim Trocknen dunkler wurden. Und das ist ätzend: Man malt, kleinste Farbstiche werden ausgeglichen und dann ist im trockenen Zustand die bemalte Fehlstelle plötzlich erheblich dunkler als die Originalfarbe der Umgebung. Außerdem rate ich beim Malen zu Tageslicht mit ca. 6000 Kelvin, hier lassen sich Farbstiche besser beurteilen. Solltet Ihr bei solchen Malereien Schwierigkeiten beim Beurteilen der Farbstiche haben, fragt Eure Frauen. Frauen haben bei der Beurteilung von farblichen Abweichungen die besseren Augen. (Wissenschaftlich erwiesen)

Zuerst habe ich mich des halben Fußes des einen Bechers angenommen. Hier bot sich mir die Möglichkeit den halben Fuß komplett abzuformen, ein Duplikat des halben Fußes aus Spachtelmasse herzustellen, dieses zu beschnitzen und dann mit gleicher Spachtelmasse in die Fehlstelle einzusetzen.

Zum Abformen benutze ich „Formaform“ eine „Abformmasse für Einsteiger“. Diese ist im Web bei bei vielen Firmen erhältlich. Die Masse hat große Vorteile.
Im Gegensatz zu Silikon ist Formaform wiederverwendbar. Die flexibel ausgehärtete gummiartige Masse stecke ich in die Mikrowelle und nach wenigen Minuten ist sie flüssig und kann gegossen werden. Ist sie nach Jahren doch etwas hart geworden, gebe ich etwas Wasser beim Erhitzen in der Mikrowelle hinzu, rühre das Wasser unter, und schon ist die Masse wieder hochflexibel.

Nach ein wenig Schnitzerei und Schleiferei passte der halbe Fuß und ich klebte ihn ein. Dann erfolgte die Feinbearbeitung mit Uhrmacher-Feilen, Kratzwerkzeugen und einem Proxxon Handstück. Proxxon erweist sich hierbei als hervorragend brauchbar, der Rundlauf ist gewährleistet und das Handstück liegt gut in der Arbeitshand. Dremelgeräte haben mich sehr enttäuscht. Der Rundlauf war bei meinen Dremels eine Katastrophe, die Fräswerkzeuge, Schleifsteine oder Polierfilze hatten keinen Rundlauf, sondern schlugen wie die Lämmerschwänze, teils im Kreisbogen mit 1mm Spiel.
Für solchen „Piddelskram“ völlig unbrauchbar.

Beim Bearbeiten der Übergangsstellen vom Originalmaterial zum Spachtel ist große Vorsicht geboten. Schmirgelpapier, diamantbeschichtete Werkzeuge und harte Feilen beschädigen ganz leicht die Originalscherbe, glasierte Stellen werden dabei stumpf und das wäre doch schade.

Nun war der Fuß fertig und der Trichter kam dran. Hierzu hatte ich einen geeigneten, unbeschädigten Trichterhalsbecher meiner Sammlung entnommen und, wie schon zuvor den halben Fuß, hier den ganzen Trichter durch Eintauchen in die flüssige Abformmasse von außen abgeformt.

Die erkaltete Form wurde mit Spachtelmasse gefüllt und diese nach dem Aushärten entnommen. Die Trichteröffnung wurde mit Fräsen erweitert, die Trichterwandung von innen mit Schmirgelpapier auf die erforderliche Dicke reduziert. Der Trichter wurde an die Originalscherbe angepasst und mit Spachtelmasse angesetzt.

Das wesentliche Moment bei einer solchen Arbeit ist ein sicheres Gespür für die Form des Ganzen.
Ist der Trichter nicht zu hoch, kragt er nicht zu weit aus, ist die Form des Trichters der Zeitstellung des Gefäßes adäquat? Ist vom Scherben noch so viel vorhanden, dass die Gesamtform rekonstruiert werden kann, ist die Restaurierung einfach. Aber sollen Teile ersetzt werden, die gänzlich fehlen, wird es schon erheblich schwieriger. Und so sind heute viele Trichterhalsbecher und -krüge in den Museen und im Handel zu bestaunen, deren Trichter und/oder Füße völlig fehlten, und die dann ganz furchtbar unförmig restauriert wurden.

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Gruß - Winfried

Hallo Winfried, die hast Du wieder super hinbekommen! Ich habe da auch eine Soldatenbüste aus Gips wo der Schirm vom Helm fehlt, aber da habe ich mich noch nicht ran getraut.
Gruß Micha
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Alt 21.10.2011, 09:19   #4
Winfried
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Hallo Dreiwirbel @ lasolaire,

über eingefärbte Spachtelmasse habe ich schon seit geraumer zeit nachgedacht. Autopachtel ist immer hellgrau, da er ja überlackiert wird. Man müsste also selber färben. Da bieten sich Pigmente in Pulverform an, aber.....
ich muss lange mischen, bis ich exakt den Farton habe. Bis dahin ist der Spachtel hart. Vor Zugabe des Härters mischen wäre eine Möglichkeit. Der Härter ist jedoch stark rot und verändert sensible Grautöne nach rosa. Ich muss also auch den gefärbten Spachtel hinterher bemalen.

Dann ergibt sich noch die Frage ob der Spachtel mit Farbpigment genau so aushärtet wie ohne. Das habe ich noch nicht probiert. (zu träge)

@ lasolaire,

den fehlenden Schirm am Helm würde ich mit Modellgips ansetzen. Er härtet schnell, ist leicht zu bearbeiten und auch leicht zu bemalen. Mit ein wenig Geschick und ein paar Versuchen als Probe an einem Gipsklotz, müsste das leicht zu bewerkstelligen sein.

Vielleicht musst Du ein paar Tampondrähtchen einsetzen, um dem anmodellierten Schirm Halt zu geben.

Setz doch mal ein Foto Deiner Soldatenbüste ein.

Gruß - Winfried
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Alt 23.10.2011, 22:18   #5
baer
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Hi Winfried ,

handwerklich klasse gemacht. Was mir persönlich nicht so gut gefällt ist das Du versuchst das Original wieder herzustellen.

Was ich meine ist das bei so einer Restauration ruhig erkennbar sein sollte was original ist und was nicht. Ich würde den ersetzten Teil anders einfärben als das original, aber das ist nur meine Meinung.

Abgesehen davon, respekt vor der Arbeit.

Ich hab da auch noch eine Frage zum Formaform, wie heiss ist die Verarbeitungstemperatur? Ich frage weil ich grade Alginat bestellt habe um die Hände meiner Kinder abzuformen, aber das ist leider nicht wiederverwendbar, deshalb interessieren mich auch andere Möglichkeiten.

Eine andere Frage warum benutzt Du das Spachtelzeugs und nicht eine andere Gussmasse wie zum beispiel Keramin-S?

Gruss Baer
__________________
Grüsse
Frank


***Alle von mir anhand von hier gezeigten Bildern oder Texten gemachten Aussagen spiegeln ausschließlich meine persönliche Meinung wieder, sie dienen lediglich zur weiterführenden Information, sollen keinesfalls eine Expertise ersetzen und sind immer ohne Gewähr.***


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Alt 23.10.2011, 23:59   #6
Winfried
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Hallo Baer,

vielen Dank für Dein Interesse an meiner Freizeitbeschäftigung.

Warum ich versuche, die Restaurierung unsichtbar zu machen, ist leicht erklärt.
Es stört mein ästhetisches Empfinden, einen Krug in zwei verschiedenen Grundfarben zu sehen. Einerseits die originale Färbung und andererseits die deutlich sich abhebende Grundfärbung der Ergänzungen.

Dazu kommt vielleicht auch noch bei mir ein viel tieferer innerer Bezug zum Gefäß, wenn ich mir Mühe gegeben habe dem "verstümmelten" Original wieder zu seinem ursprünglichen Aussehen (und seiner Schönheit) verholfen zu haben. Was natürlich bedeutet, dass ich schiefe, verbackene Fehlbrände nicht begradige oder Brandflecken übermale.

Mir geht es auch nicht um Werterhöhung oder Täuschungsabsichten beim Verkauf. Als (vielleicht manischer) Sammler habe ich noch nie einen Pott verkauft.
(Sehr zum Missfallen der Herzallerliebsten)

Vom Gebrauch von Formaform zu Abformung der zarten Händchen Deiner Kinder rate ich dringend ab. Das wäre zu heiß, denn 60- 70° C wird die flüssige Masse wohl haben.
Vielleicht wäre Flüssig-Latex dafür eher geeignet, zumal es auch verspricht, völlig ungiftig zu sein.

Warum ich Autospachtelmasse zum Restaurieren benutze, kann ich erklären. Ich restauriere mit dieser Masse schon bestimmt 3 Jahrzehnte. Da waren diese modernen Künstlerprodukte noch unbekannt. Bei Keramin S handelt es sich (laut WEB) um eine Gießmasse, d.h. sie ist anfänglich flüssig.
Ich brauche aber zum Aufbau eine pastöse Masse, die ich Spatel für Spatel aufeinanderstreiche um so Fehlstellen zu füllen oder Hälse aufzubauen. Mit Autospachtel kann man leicht mehrere Zentimeter hochstreichen, die bis zum Härtungsbeginn nicht in sich zusammensacken. Und ich kann frei aus der Hand modellieren und brauche keine Form herzustellen.

Auch hier sage ich freiweg, dass ich dieses Metier nicht erlernt habe, und ich kann mir gut vorstellen, dass der studierte Restaurator sich mit Grausen abwendet.
Andererseits habe ich im Kunstgewerbemusemum und im Römisch-Germanischen-Museum der Stadt Köln so wie im Hetjenjs Museum Düsseldorf Restaurierungen gesehen, die, so wie meine Arbeiten farblich dem Original angeglichen waren, jedoch von erheblich schlechterer Qualität als meine Werke waren.

Liebe Grüße - Winfried
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Alt 24.10.2011, 07:18   #7
baer
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Zitat:
Zitat von Winfried Beitrag anzeigen
Warum ich versuche, die Restaurierung unsichtbar zu machen, ist leicht erklärt.
Es stört mein ästhetisches Empfinden, einen Krug in zwei verschiedenen Grundfarben zu sehen. Einerseits die originale Färbung und andererseits die deutlich sich abhebende Grundfärbung der Ergänzungen.


Mir geht es auch nicht um Werterhöhung oder Täuschungsabsichten beim Verkauf. Als (vielleicht manischer) Sammler habe ich noch nie einen Pott verkauft.
(Sehr zum Missfallen der Herzallerliebsten)

Vom Gebrauch von Formaform zu Abformung der zarten Händchen Deiner Kinder rate ich dringend ab. Das wäre zu heiß, denn 60- 70° C wird die flüssige Masse wohl haben.
Vielleicht wäre Flüssig-Latex dafür eher geeignet, zumal es auch verspricht, völlig ungiftig zu sein.

Warum ich Autospachtelmasse zum Restaurieren benutze, kann ich erklären. Ich restauriere mit dieser Masse schon bestimmt 3 Jahrzehnte. Da waren diese modernen Künstlerprodukte noch unbekannt. Bei Keramin S handelt es sich (laut WEB) um eine Gießmasse, d.h. sie ist anfänglich flüssig.
Ich brauche aber zum Aufbau eine pastöse Masse, die ich Spatel für Spatel aufeinanderstreiche um so Fehlstellen zu füllen oder Hälse aufzubauen. Mit Autospachtel kann man leicht mehrere Zentimeter hochstreichen, die bis zum Härtungsbeginn nicht in sich zusammensacken. Und ich kann frei aus der Hand modellieren und brauche keine Form herzustellen.

Auch hier sage ich freiweg, dass ich dieses Metier nicht erlernt habe, und ich kann mir gut vorstellen, dass der studierte Restaurator sich mit Grausen abwendet.
Andererseits habe ich im Kunstgewerbemusemum und im Römisch-Germanischen-Museum der Stadt Köln so wie im Hetjenjs Museum Düsseldorf Restaurierungen gesehen, die, so wie meine Arbeiten farblich dem Original angeglichen waren, jedoch von erheblich schlechterer Qualität als meine Werke waren.

Liebe Grüße - Winfried
Hi Winfried ,

wie gesagt das war keine wirkliche Kritik meinerseits, mir gefällt es wirklich gut wie Du das hingekriegt hast.
Ich mag es halt wenn ich bei solchen Stücken sehe was alt und was neu ist, ist wohl reine geschmackssache.

Danke zu der Formaform Antwort, das habe ich befürchtet, dann bin ich mal gespannt ob das mit dem Alginat klappt und ob die Zwerge mal 5 minuten die Finger stillhalten können. Mal sehen.

Gruss Baer
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Frank


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Alt 24.10.2011, 10:41   #8
Winfried
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Hallo Baer,

Deine Hinweise zu meiner Restaurierung habe ich überhaupt nicht als Kritik aufgefasst.

Die Berufsrestauratoren heutiger Zeit stehen bei den Fragen zur Restaurierung von Keramik und Glas auf Deiner Seite. Aber hier ergibt sich die Frage, warum überhaupt noch die Form ergänzt wird und man nicht nur die Scherben, die zusammengehören, aneinander setzt und einfach so zeigt.
Mit einer bildlichen Darstellung des ganzen Fundstückes vielleicht.

Ein krasses Beispiel für zusammengesetzte Scherben ohne farbliche Angleichung zeigte vor wenigen Tagen Spiegel online.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/t...776015,00.html

Wenn ich gefragt würde, ob ich bei diesem Kirchenmosaik eine farbliche Angleichung bevorzugen würde, wüsste ich sofort, was ich antworten würde.

Vielleicht ist der Entscheidungsprozess in Padua noch nicht abgeschlossen.

Um die kompletten Ergänzungen an meinen Pötten zu zeigen, braucht es nur ein Läppchen mit Azeton.

Auf meinem Tisch befindet sich seit mehreren Monaten ein „Scherbenhügel“, bei dem mich zur Zeit genau Deine Frage nach Ergänzung mit/ohne farbliche/r Angleichung von weiterer Arbeit abhält.
Was soll ich machen? Nur geklebt hinstellen? Mit einfarbiger Masse komplettieren oder nach Komplettierung auch bemalen?
Egal, wozu ich mich entscheide, da kommt eine gewaltige Arbeit auf mich zu, die ich im Moment noch scheue. (Wetter zu gut, Abende noch nicht lang genug)

Ich werde davon berichten, wenn ich den inneren Schweinehund besiegt habe.
Hier schon einmal ein Bild von diesem „Scherbenhügel“.

Liebe Grüße - Winfried
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DSCF1807 [].jpg  
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Alt 24.10.2011, 10:57   #9
baer
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Hi,

ach du schreck.

Dann viel spass beim Restaurieren, ich freu mich schon auf das Ergebniss.

Gruss Baer
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Alt 24.10.2011, 11:24   #10
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Zitat:
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Hi,

ach du schreck.
"genauuuuuuuuuuuu"

" Der Schreckensruf ist unerlässlich,
das ist ja schlimm, das ist ja grässlich!"

(Wilhelm Busch?)

Gruß - Winfried
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