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Schwarze Kunst Grundsätzliches zu Druck, Bindung, Einbänden, Lagerung, Restaurierung, Bilder von Bibliotheken, etc.

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Alt 16.07.2019, 18:17   #1
Gratian
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Standard Spurensuche : Alte Schnipsel neu aufbereitet

Bücher-Nachrichten aus meiner Heimatstadt die soviel Kultur zu bieten hat...

Spurensuche:
Alte Schnipsel neu aufbereitet.

Trier Die Stadtbibliothek in Trier macht Hunderte Handschriften-Fragmente aus dem Mittelalter für heutige Nutzer zugänglich – haptisch und digital.

Recycling ist keine Erfindung moderner Umweltschützer. Unsere Vorfahren waren Weltmeister im Wiederverwerten von Schriftstücken. Das hing im Mittelalter auch damit zusammen, dass der Beschreibstoff Tierhaut (Pergament) nicht so einfach zu beschaffen war, und Papier gab’s noch nicht. Wenn also ein Schriftstück nicht mehr benötigt wurde, dann taugte es immer noch als Verstärkung für ein anderes Buch, etwa als Einband. Buchbindereien kauften das Material auf, zerschnitten es in viele Kleinstteile und machten daraus neue Codices.

Was nun, wenn das zerschnittene Werk unter heutigen Gesichtspunkten wertvoll war? Wenn man weiß, dass es eine historisch bedeutsame Quelle wäre? Dann geht das Puzzlen los. Wobei die einzelnen Teile vor dem Zusammenfügen erst mal gefunden werden müssen. „Wir haben in der Stadtbibliothek etwa 2000 bis 2500 Fragmente“, sagt Bibliotheksleiter Prof. Michael Embach. Vergangene Bibliothekars-Generationen haben mühsam den Gesamtbestand auf die Existenz solcher Handschriftenfragmente abgesucht und dabei öfters auch besonders wertvoll erscheinende Stücke herausgeschnitten. So kamen Hunderte Kleinstteile von alten Handschriften zusammen, die man in (säurehaltigen) Umschlägen verstaute, damit sie eines fernen Tages mit anderen Schnipseln zusammengefügt werden können. Kaum einer wusste folglich, was in den Tiefen der Kisten voller Umschläge so alles schlummerte. Derweil wanderten Kleber, Weichmacher und Papiersäure ins Material.

Diese fernen Tage sind in der Stadtbibliothek mittlerweile angebrochen. Die Fragmente sollen den Nutzern und potenziellen Puzzlespielern in einem neuartigen, aufwendigen Verfahren zugänglich gemacht werden. „Ein Objekt in einer Bibliothek existiert quasi nicht, wenn es nicht möglich ist, darauf zuzugreifen“, erläutert Restauratorin Eva Bös, die für die Buchbinderei Mohr in Trier arbeitet. Rund 500 Fragmententeile von alten Handschriften hat sie, teilweise zusammen mit einer Kollegin, innerhalb von zwei Jahren schon so aufbereitet, dass man die Puzzleteile auffinden und nutzen kann. Oberstes Ziel sei es von Anfang an gewesen, die Fragmente einerseits vor Berührung und Beschädigung zu schützen, andererseits sie als Einzelteile flexibel nutzbar zu machen, um auch ein Aneinanderlegen und Vergleichen zu ermöglichen. Inspiration holten sich die Akteure in Florenz und auch beim englischen Restaurator Christopher Clarkson, bevor sie ihr eigene Methode entwickelten. Die Lösung für Trier: ein Klapprahmen mit Folienfenstern auf beiden Seiten, Klettverschluss an den Seiten und ein Rahmen aus Wellpappe.

„Das ist jetzt zum ersten Mal eine Lösung mit Materialien, die absolut altersbeständig sind und den Normen entsprechen“, freut sich Embach. Pro Signatur entstanden Kosten von durchschnittlich 60 Euro, an denen sich auch die Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Trier beteiligten. Unterstützung kommt auch von Paten, die für 60 Euro eine Handschriften-Signatur übernehmen.

Hunderte Fragmente sind mittlerweile nicht nur konserviert, sondern auch digitalisiert – eine Voraussetzung dafür, dass andere Puzzlespieler die Teile überhaupt sehen können. Und dann bemerken, dass vielleicht etwas zusammenpasst, was vor Jahrhunderten getrennt wurde.

https://www.volksfreund.de/region/ku...ter=16-07-2019


Weitere Informationen auf www.trierer-buecher.de
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Gratian
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Alt 18.07.2019, 23:53   #2
Winfried
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Lieber Gratian,

danke für diesen interessanten Artikel. Ich dachte bis heute, dass alte Handschriften auf Pergament, die nicht mehr aktuell waren, abgeschabt wurden und neu beschrieben wurden. Sie wurden zum Palimpsest. Hier lese ich, dass in Trier viele der Pergamente zerschnitten wurden, um sie ggf. später zu "neuen Seiten" zu verbinden. wie kann ich mir das vorstellen? Weißt Du, wie das vor sich ging? Es ist zu lesen,. dass diese Schnipsel in säurehaltigen Umschlägen verstaut wurden, um sie später zusammenzusetzen. Ein Pergament abzuschaben. um es später wieder zu beschreiben.....das hört sich einfacher an, als diese Schnipselarbeit. Die Säure hat also die alte Beschriftung erhalten und nun werden die Schnipsel wieder zusammengesetzt um die alte Beschriftung der Wissenschaft zugänglich zu machen. Und hieran kann man sich finanziell bzw. haptisch beteiligen, so habe ich das verstanden. Oder sehe ich das falsch?
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Liebe Grüße - Winfried



Das Bildchen zeigt ein Raerener Narrenpfeifchen des 16. Jahrhunderts aus Steinzeug

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Alt 19.07.2019, 19:35   #3
Chippi
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Hallo Winfried,

wenn die Blätter neu beschrieben werden sollten, schabte man sie ab und beschrieb sie neu. Durch Röntgen wird die alte Schrift wieder sichtbar, das ist ein Palimpsest. Daneben benutzte man auch alte Pergamente zum Binden von Bücher (Einband, Verstärkungsstreifen etc.), da machte man sich nicht die Mühe, die alte Schrift abzuschaben. Um Letzteres dürfte es sich hier handeln.

Gruß Chippi
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Alt 24.07.2019, 16:27   #4
Gratian
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genau so wie Chippi schreibt ist es, es geht um die als Einband bzw. zur Fütterung von Einbänden benutzten Schriften die von den Buchbindereien in neuere Bücher eingebunden wurden zur Verstärkung des Einbandes z.B.

Das säurehaltige Umschlag bezieht sich auf frühere Bibliothekarsgenerationen die diese Schnippsel erkannt haben und sie für die Nachwelt aufbewahren wollten; dabei aber unwissentlich einen Riesenfehler machten, weil sie nicht wussten, das säurehaltiges Papier die alten Schrift angreift.
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Gratian
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